
Schubert & Goethe – Ein Liederabend
Angélique Greuter und Stéphane Spira
Das Konzert „Schubert & Goethe“ bringt zwei der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten der europäischen Kulturgeschichte zusammen.
Schubert war zeit seines Lebens tief von Goethes Dichtung fasziniert und vertonte mehr Gedichte des Weimarer Dichters als von jedem anderen Autor. Während Goethe selbst Schuberts Liedkunst wenig Beachtung schenkte – er bevorzugte schlichtere Strophenlieder –, erkannte Schubert intuitiv die musikalische Kraft in Goethes Versen.
Seine Vertonungen zeichnen sich durch eine besondere Sensibilität für das psychologische und dramatische Potenzial der Texte aus, wodurch sich ein subtiler, aber kraftvoller Dialog zwischen Wort und Musik entfaltet. Er schuf damit einige der tiefgründigsten und berührendsten Werke der Musikgeschichte.
Das Konzept
Das Programm bietet eine fein abgestimmte Auswahl an Liedern und führt das Publikum durch ein breites Spektrum an romantischen Themen, wodurch ein abwechslungsreicher Abend entsteht.
Die Uraufführung des Programms findet am 24. Juni 2025 im Lüschersaal in Riehen statt und ist Teil des Tour Musical (7.–28. Juni 2025), einer schweizweiten Konzertreihe, die vom Schweizerischen Musikpädagogischen Verband SMPV organisiert wird. Diese Initiative setzt sich für die Sichtbarkeit der freiberuflichen Musikpädagog:innen und deren künstlerische Tätigkeit ein. Sie rückt die wertvolle, nicht-institutionelle musikalische Unterrichtstätigkeit in den Fokus der Öffentlichkeit.
Ziel dieses Konzert ist, die klassische Musikkultur und die Liedkunst nicht nur an grossen Häusern, sondern auch in kleineren regionalen Sälen zu fördern.

Konzert-Plakat, entworfen vom französischen Grafiker Bernard Chadebec
Das Programm
Drei grosse Themen ziehen sich durch das Konzertprogramm:
- das Streben nach Unendlichkeit und die Natur als Spiegel der Seele,
- die Ekstase und der Schmerz der Sehnsucht,
- die Nostalgie der verlorenen Zeit.
- Ganymed D544, Op. 19,3
- Rastlose Liebe D138, Op. 5,1
- Nähe des Geliebten D162; Op. 5,2
- Schäfers Klagelied D121, Op. 3,1
- Nur wer die Sehnsucht kennt (Mignon I) D877, Op. 62,4
- Gretchen am Spinnrad D118
Impromptu Nr. 3 op. 142 für Klavier solo D935 - Suleika I D720
- Jägers Abendlied D368, Op. 3,4
- An Mignon D161, Op. 19,2
- Erster Verlust D226, Op. 5,4
- Kennst du das Land (Mignons Gesang) D321
- Heidenröslein D257, Op. 3,3
Der Abend beginnt mit „Ganymed“, einem Ausdruck mystischer Verschmelzung mit der Natur und dem Göttlichen, gefolgt von „Rastlose Liebe“, das die unaufhörliche Unruhe eines Herzens schildert, das nach unerreichbarem Glück sucht. Die Liebe schwankt zwischen Zärtlichkeit und Melancholie in „Nähe des Geliebten“ und „Schäfers Klagelied“, wo Gefühl und Landschaft ineinander übergehen.
Der Schmerz der Abwesenheit und unerfüllten Sehnsucht erreicht eine ergreifende Intensität in „Nur wer die Sehnsucht kennt“, bevor er sich ins dramatische Innere von „Gretchen am Spinnrad“ stürzt, wo die obsessive Liebe im rastlosen Drehen des Spinnrads musikalisch Gestalt annimmt. Nach dieser extremen Spannung bringt das Impromptu Nr. 3 einen Moment der Besinnung, bevor „Suleika“ mit sinnlicher Wärme verzaubert.
Mit „Jägers Abendlied“ kehrt die abendliche Ruhe ein und leitet über zu einer introspektiveren Stimmung mit „An Mignon“ und „Erster Verlust“, in denen die Unumkehrbarkeit der Zeit als innere Wunde empfunden wird. „Kennst du das Land“ verleiht dieser Sehnsucht eine fast fieberhafte Intensität, die zwischen innerem Drang und aufblühender Hoffnung oszilliert.
Schliesslich endet „Heidenröslein“ das Programm mit einem scheinbar schlichten, doch tiefgründigen Lied, in dem der vergängliche Glanz der Rose die Verletzlichkeit der menschlichen Seele widerspiegelt.
Die Künstler
![]() © Philippe Mazère |
![]() © Raphaël Chipault |
Die Zusammenarbeit von der Sängerin Angélique Greuter und dem Pianisten Stéphane Spira begann 2015. Der Abend ist nicht nur eine Hommage an Schubert und Goethe, sondern auch Ausdruck ihrer gemeinsamen künstlerischen Vision: die feinsinnige Verbindung von Wort und Musik auf höchstem interpretatorischem Niveau.
Angélique Greuter
Angélique Greuter verfügt über eine reiche künstlerische Laufbahn, die Gesang, Theater und Musikwissenschaft verbindet. Nach ihrer Ausbildung in klassischem Tanz und Bewegungstheater in Berlin und Paris führte ihr Weg sie nach Moskau, wo sie beim berühmten Bariton Pavel Lissitsian Gesang studierte. In Paris gewann sie den Ersten Preis für Kammermusik der Stadt Paris und schloss ihr Gesangsstudium an der École Normale de Musique de Paris ab. Ihre solistische Karriere begann sie im Bereich des Oratoriums und des Liedes, mit besonderem Schwerpunkt auf Schumann, Liszt und Schubert, aber auch mit Uraufführungen zeitgenössischer Werke.
Ihre künstlerische Neugier führte sie zur mittelalterlichen Musik, die sie an der Sorbonne Paris IV studierte. Heute ist sie künstlerische Leiterin des Basler Festivals TEXTUR – Alte Musik in neuen Kombinationen und gründete das Ensemble RESONEZ und Les Elancées, mit denen sie sich dem mittelalterlichen Repertoire und der freien Improvisation widmet. Sie tritt in renommierten Festivals und Kirchen Frankreichs, Deutschlands und der Schweiz auf.
Für Angélique Greuter bedeutet dieses Rezital eine Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln, nachdem sie sich in den letzten Jahren intensiv der mittelalterlichen Musik gewidmet hat. Die Veranstaltung in Riehen setzt ihre langjährige Konzerttätigkeit in der Region fort, die bereits mehrfach von der Stadt Riehen und dem Kanton Basel sowie verschiedenen Stiftungen unterstützt wurde.
Stéphane Spira
Stéphane Spira begann seine musikalische Laufbahn als Geiger und erhielt bereits mit 13 Jahren eine Goldmedaille der Union des Conservatoires de Région. Später entdeckte er seine wahre Berufung: das Klavier. Wesentliche Impulse erhielt er im Studium mit Brigitte Engerer und Claude Lebissonnais.
Als Pianist begeistert er mit seinem ausdrucksstarken, nuancierten Spiel. Sein Soloalbum Voyage Musical en Terroirs de France wurde mit dem Label « Le choix de France Musique » ausgezeichnet. Neben seiner solistischen Tätigkeit widmet er sich intensiv der Kammermusik und gründet ein Duo mit der Geigerin Isabelle Flory, mit der er mehrere CDs aufgenommen hat.
Spira liebt genreübergreifende Projekte. Er komponierte musikalische Arrangements des Programms Tangolied für den Bariton José Luis Barreto und kreierte mit Svetlana Lifar und Xavier Béja das Stück Pouchkine-Traversée. Mit Angélique Greuter und anderen Künstlern entwickelte er die Bühnenprogramme Sonate, Amour et… Mensonge und Unser Leben mit Schubert.
Seine pädagogische Tätigkeit umfasst langjährige Lehrtätigkeiten an Konservatorien sowie eine Spezialisierung auf Liedinterpretation. Zudem ist er als professioneller Künstlercoach tätig. 2014 gründete er das Festival Les Spiriades, das in La Frette-sur-Seine eine Plattform für musikalische Begegnungen schafft.

