Anno 1300 im Kleinen Klingental

Anno 1300 Header

15. Mai 2026
ab 14h Nachmittagsprogramm & Workshops
17.30h O Amor et Sublimitas CD-Taufe & Konzert des Ensemble RESONEZ
Museum Kleines Klingental
Unterer Rheinweg 26, Klein-Basel (4058)

Wie lebten, feierten und musizierten die Menschen im Mittelalter?

Am Kleinbasler Rheinufer wird Geschichte lebendig – mit Liedern, Farben, Düften und Geschichten für Gross und Klein.
Der Anlass? Ein Fest!
Wir taufen die erste CD des Ensemble RESONEZ, frisch erschienen beim Label Schweizer Fonogramm und nun weltweit erhältlich.
Nach einem bunten Nachmittag mit thematischen Ateliers folgt das Live-Konzert, moderiert von Graziella Contratto, Gründerin und Produzentin der Schweizer Fonogramm. Sie gibt spannende Einblicke hinter die Kulissen des Aufnahmeprozesses.

Plakat Anno 1300

Programm (alles familiengeeignet):

14-15h
Gemeinsames Singen & Tanzen: Ein Lied aus der Basler Liederhandschrift

15-17h
Workshops und geführter Rundgang, parallel angeboten:

  • Das Alphabet der Basler Liederhandschrift: Kalligrafie-Atelier zum Ausprobieren (Eléonore Bernard)
  • In der Kräuterküche: Sauerteig und mittelalterlicher Hummus leicht gemacht (Derya Sahin)
  • Rate-Quiz und kreatives Malen: Basilisken und andere Wundertiere (Séverine Christen)
  • Dem Rhein nach zur Kartause und zurück: Spaziergang durch das alte Basel (Rose Marie Schulz-Rehberg)

17.30h
Konzert O Amor et Sublimitas
Mittelalterliche Gesänge a cappella und mit Blockflöte

Ensemble RESONEZ

Angélique Greuter, Gesang und künstlerische Leitung
Ann Allen, Gesang und Schalmei
Esther Labourdette, Gesang
Katarina Šter, Gesang
Marie Verstraete, Blockflöten

Moderation: Graziella Contratto

Eintritt nach Einkommen frei wählbar
Familientarife
Kinder bis 12 Jahre gratis
Vorverkauf wird empfohlen, Plätze sind begrenzt!

Infos und Reservationen: Ticketino

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Die Rose, die Lilie…

Die Rose die Lilie header

Lange vor den genialen Liedkompositionen eines Robert Schumann waren Blumen in der Dichtung Sinnbild für inbrünstige Hingabe, Reinheit, Sehnsucht und spriessende Gefühle. Rose und Lilie stehen im Mittelalter für Liebe und Erhöhung, für Maria und die geistige Fruchtbarkeit, für Frühling und Neubeginn.

Mit seinem Programm „Die Rose, die Lilie…“ entführt das Ensemble RESONEZ in die zauberhafte Welt mittelalterlicher Lyrik – und in ein Klanguniversum von überraschender Raffinesse, poetischer Mehrdeutigkeit und sinnlicher Farbigkeit.

Ensemble RESONEZ

Ensemble RESONEZ

Im Zentrum stehen Motetten und Lieder des 12. bis 14. Jahrhunderts, darunter Werke aus dem Umfeld der Pariser Notre-Dame-Schule wie Candida virginitas/Flos filius, aquitanische und englische Conductus (Stirps Iesse, Flos ut rosa floruit), ein Trouvère-Gesang des Châtelain de Coucy sowie italienische Trecento-Klänge, etwa die Ballata Ecco la primavera von Francesco Landini. Den glanzvollen Abschluss bildet die Motette Ex illustri aus dem Codex Las Huelgas.

Das Programm verbindet Stimme, mittelalterliche Fidel und Organetto zu einem lebendigen, farbenreichen Klangbild. Wechsel zwischen einstimmigem Gesang, kunstvoller Mehrstimmigkeit und instrumentalen Interludien – etwa aus dem Codex Faenza – lassen verschiedene musikalische Perspektiven hörbar werden. Kurze poetische Texte aus dem Rosarius, einer Art Enzyklopädie aus dem 13. Jahrhundert, beschreiben auf bewegende Art die Symbolik der Lilie und der Rose.

So entfaltet sich ein musikalischer Bogen vom geistlichen Lobgesang über höfische Liebeslyrik bis hin zu tänzerischer Frühlingsfreude. Die mittelalterliche Kunst erweist sich dabei als unmittelbar verständlich: fein nuanciert, rhythmisch pulsierend und von berührender Expressivität.

Dauer: ca. 40 Minuten

Ensemble RESONEZ:

Angélique Greuter, Gesang
Cristina Alís Raurich, Organetto
Marie Verstraete, mittelalterliche Fidel

O Amor et Sublimitas

Ensemble RESONEZ O Amor et Sublimitas c Dirk Letsch header

O Amor et Sublimitas, das neueste Konzertprogramm des Ensemble RESONEZ, stellt schweizerische Musik aus dem Mittelalter vor. Die Schweiz verfügt über eine reiche Sammlung an mittelalterlichen Manuskripten, die Musiknotationen enthalten. Die Musikerinnen des Ensemble RESONEZ arbeiten mit den Originalhandschriften selbst. Sie verbinden klangliche Recherchen und Kreativität mit rigorosem Forschergeist und lassen so die mittelalterliche Musik lebendig werden. Ein-, zwei- und dreistimmige Stücke werden a cappella gesungen, andere monodische Stücke werden auf der Solo-Blockflöte gespielt.

Ziel dieses Projekts ist es, kulturelles Erbe in historischen Kirchen und Gebäuden der verschiedenen Regionen der Schweiz zum Klingen zu bringen. Die mittelalterliche Architektur ist jederzeit präsent und für alle sichtbar. Die musikalischen Zeugnisse dieser Zeit hingegen bleiben noch weitgehend unbekannt und werden erst durch eine historisch informierte Interpretation im Konzert erlebbar gemacht.

Veri floris sub figura, Konduktus

 

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O Amor et Sublimitas ist ein Folgeprojekt der Tournee O Amor Deus, welche 2023-24 mit insgesamt 9 Konzertdaten das Programm in die Kantone Basel-Stadt, Jura, Freiburg, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Tessin führte. Das letzte Konzert fand im Oktober 2024 im Rahmen des Basler Festivals TEXTUR statt, welches zusätzlich mehrere Ateliers rund um die Basler Liederhandschrift anbot.
Dank dieser intensiven Auseinandersetzung mit den Handschriften und der wiederholten Interpretation im Konzert wurde deutlich, dass dieses seltene und ausserordentlich schöne Repertoire, das zu grossen Teilen noch nie aufgenommen worden ist, auch ausserhalb des Konzertrahmens einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden sollte. Zum Zweck einer forschungsbasierten Tonaufzeichnung wurde das Programm inhaltlich erweitert. Es wird im Oktober 2025 durch das Label Schweizer Fonogramm  aufgenommen und kommt im Frühling 2026 als CD heraus.

Ensemble RESONEZ O Amor et Sublimitas © Dirk Letsch

© Dirk Letsch

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Die göttliche Liebe steht im Mittelpunkt des neuen Programms. Das Stück, das dem Programm seinen Titel gibt, wird Philipp dem Kanzler zugeschrieben, einem grossen Denker des frühen 13. Jahrhunderts, der an der Universität von Paris lehrte und zahlreiche religiöse Gedichte und Lieder schrieb. Sein Konduktus „O Amor Deus Deitas“ ist in zwei Manuskripten festgehalten, die heute in Basel aufbewahrt sind.
Ungewöhnlich sinnlich sind die Metaphern der Liebe Gottes, in vielen der überlieferten religiösen Gedichte. Zu den berühmtesten Beispielen dafür zählt die Sequenz Virgines caste, die Abelard, einem Mönch aus dem 12. Jahrhundert, zugeschrieben wird: geprägt von seiner legendären Liebe zu Eloise lässt er darin irdisches und göttliches Verlangen Eins werden. Im alemannischen Sprachraum zeugt das geistliche Lied Wene herze, wenent ougen, das einzig in der Basler Liederhandschrift überliefert ist, von der Innigkeit, die der mystischen Lyrik des Mittelalters eigen ist und sie so berührend macht.
Die besondere Schönheit des geistlichen Repertoires, zugleich tiefgründig, festlich und voller Licht, wird in Kirchen mit grossem Raumhall ideal zur Geltung gebracht. Dieses Programm lädt ein zum Eintauchen ins Intime, in die Empfindsamkeit, und auch zur Öffnung gegenüber Unbekanntem, dessen Quelle doch in nächster Nähe ist.
Die wesentlichen musikalischen Quellen des Programms sind die Basler Liederhandschrift, ein Graduale der Zisterzienserinnenabtei La Maigrauge in Fribourg, das Kantionale des Thomas Kress des Kleinbasler Kartäuserklosters, der Codex Engelberg und der Codex 383 der St. Galler Stiftsbibliothek, welcher im 13. Jahrhundert in der Kathedrale von Lausanne verfasst worden ist.

Künstlerisches Team:

Ensemble RESONEZ:
Angélique Greuter, Gesang und künstlerische Leitung
Ann Allen, Gesang
Esther Labourdette, Gesang
Katarina Šter, Gesang
Marie Verstraete, Blockflöten

Basler Liederhandschrift

© Angelique Greuter

Ensemble RESONEZ

Das Ensemble RESONEZ tritt seit 2020 in unterschiedlichen Formationen auf und ist spezialisiert in Mittelaltermusik. Die Musikerinnen verbinden klangliche Recherchen und Kreativität mit rigorosem Forschergeist und verstehen es, dem heutigen Ohr die Musik aus früheren Jahrhunderten zugänglich zu machen. Sie stützen sich bei ihrer Arbeit stets auf musikwissenschaftliche Kenntnisse und transkribieren die Originalhandschriften selbst. In ihre Interpretationen lassen sie auch ihre eigenen künstlerischen Persönlichkeiten und ihre weiteren musikalischen Erfahrungen einfliessen. Das Ergebnis ist eine lebendige mittelalterliche Musik, die für heutige Zuhörer:innen überraschend schön, spannend und mitreissend wirkt.

Nebst Auftritten in romanischen und gotischen Kirchen (Kartäuserkirche Basel, Wehrkirche St. Arbogast in Muttenz, Collégiale von St. Ursanne, Dorfkirche Riehen, Romanische Kirche von Kleinhöchstetten) spielte das Ensemble ebenfalls in der renommierten Sammlung mittelalterlicher Textilien der Abegg-Stiftung im Kanton Bern. Im November 2022 war das Ensemble zu Gast im bird’s eye jazz club von Basel im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Festival TEXTUR – Alte Musik in neuen Kombinationen und der Reihe Spiegelungen.

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Schubert & Goethe – Ein Liederabend

schubert goethe header

Das Konzert „Schubert & Goethe“ bringt zwei der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten der europäischen Kulturgeschichte zusammen.

Schubert war zeit seines Lebens tief von Goethes Dichtung fasziniert und vertonte mehr Gedichte des Weimarer Dichters als von jedem anderen Autor. Während Goethe selbst Schuberts Liedkunst wenig Beachtung schenkte – er bevorzugte schlichtere Strophenlieder –, erkannte Schubert intuitiv die musikalische Kraft in Goethes Versen.

Seine Vertonungen zeichnen sich durch eine besondere Sensibilität für das psychologische und dramatische Potenzial der Texte aus, wodurch sich ein subtiler, aber kraftvoller Dialog zwischen Wort und Musik entfaltet. Er schuf damit einige der tiefgründigsten und berührendsten Werke der Musikgeschichte.

Das Konzept

Das Programm bietet eine fein abgestimmte Auswahl an Liedern und führt das Publikum durch ein breites Spektrum an romantischen Themen, wodurch ein abwechslungsreicher Abend entsteht.

Ziel dieses Konzert ist, die klassische Musikkultur und die Liedkunst nicht nur an grossen Häusern, sondern auch in kleineren regionalen Sälen zu fördern.

Konzert-Plakat, entworfen vom französischen Grafiker Bernard Chadebec

Konzert-Plakat, entworfen vom französischen Grafiker Bernard Chadebec

Das Programm

Drei grosse Themen ziehen sich durch das Konzertprogramm:

  • das Streben nach Unendlichkeit und die Natur als Spiegel der Seele,
  • die Ekstase und der Schmerz der Sehnsucht,
  • die Nostalgie der verlorenen Zeit.
  1. Ganymed D544, Op. 19,3
  2. Rastlose Liebe D138, Op. 5,1
  3. Nähe des Geliebten D162; Op. 5,2
  4. Schäfers Klagelied D121, Op. 3,1
  5. Nur wer die Sehnsucht kennt (Mignon I) D877, Op. 62,4
  6. Gretchen am Spinnrad D118
    Impromptu Nr. 3 op. 142 für Klavier solo D935
  7. Suleika I D720
  8. Jägers Abendlied D368, Op. 3,4
  9. An Mignon D161, Op. 19,2
  10. Erster Verlust D226, Op. 5,4
  11. Kennst du das Land (Mignons Gesang) D321
  12. Heidenröslein D257, Op. 3,3

Der Abend beginnt mit „Ganymed“, einem Ausdruck mystischer Verschmelzung mit der Natur und dem Göttlichen, gefolgt von „Rastlose Liebe“, das die unaufhörliche Unruhe eines Herzens schildert, das nach unerreichbarem Glück sucht. Die Liebe schwankt zwischen Zärtlichkeit und Melancholie in „Nähe des Geliebten“ und „Schäfers Klagelied“, wo Gefühl und Landschaft ineinander übergehen.

Der Schmerz der Abwesenheit und unerfüllten Sehnsucht erreicht eine ergreifende Intensität in „Nur wer die Sehnsucht kennt“, bevor er sich ins dramatische Innere von „Gretchen am Spinnrad“ stürzt, wo die obsessive Liebe im rastlosen Drehen des Spinnrads musikalisch Gestalt annimmt. Nach dieser extremen Spannung bringt das Impromptu Nr. 3 einen Moment der Besinnung, bevor „Suleika“ mit sinnlicher Wärme verzaubert.

Mit „Jägers Abendlied“ kehrt die abendliche Ruhe ein und leitet über zu einer introspektiveren Stimmung mit „An Mignon“ und „Erster Verlust“, in denen die Unumkehrbarkeit der Zeit als innere Wunde empfunden wird. „Kennst du das Land“ verleiht dieser Sehnsucht eine fast fieberhafte Intensität, die zwischen innerem Drang und aufblühender Hoffnung oszilliert.

Schliesslich endet „Heidenröslein“ das Programm mit einem scheinbar schlichten, doch tiefgründigen Lied, in dem der vergängliche Glanz der Rose die Verletzlichkeit der menschlichen Seele widerspiegelt.

Die Künstler

Angelique Greuter

© Philippe Mazère

Stéphane Spira

© Raphaël Chipault

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Die Zusammenarbeit von der Sängerin Angélique Greuter und dem Pianisten Stéphane Spira begann 2015. Der Abend ist nicht nur eine Hommage an Schubert und Goethe, sondern auch Ausdruck ihrer gemeinsamen künstlerischen Vision: die feinsinnige Verbindung von Wort und Musik auf höchstem interpretatorischem Niveau.

Angélique Greuter
Angélique Greuter verfügt über eine reiche künstlerische Laufbahn, die Gesang, Theater und Musikwissenschaft verbindet. Nach ihrer Ausbildung in klassischem Tanz und Bewegungstheater in Berlin und Paris führte ihr Weg sie nach Moskau, wo sie beim berühmten Bariton Pavel Lissitsian Gesang studierte. In Paris gewann sie den Ersten Preis für Kammermusik der Stadt Paris und schloss ihr Gesangsstudium an der École Normale de Musique de Paris ab. Ihre solistische Karriere begann sie im Bereich des Oratoriums und des Liedes, mit besonderem Schwerpunkt auf Schumann, Liszt und Schubert, aber auch mit Uraufführungen zeitgenössischer Werke.

Ihre künstlerische Neugier führte sie zur mittelalterlichen Musik, die sie an der Sorbonne Paris IV studierte. Heute ist sie künstlerische Leiterin des Basler Festivals TEXTUR – Alte Musik in neuen Kombinationen und gründete das Ensemble RESONEZ und Les Elancées, mit denen sie sich dem mittelalterlichen Repertoire und der freien Improvisation widmet. Sie tritt in renommierten Festivals und Kirchen Frankreichs, Deutschlands und der Schweiz auf.

Für Angélique Greuter bedeutet dieses Rezital eine Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln, nachdem sie sich in den letzten Jahren intensiv der mittelalterlichen Musik gewidmet hat. Die Veranstaltung in Riehen setzt ihre langjährige Konzerttätigkeit in der Region fort, die bereits mehrfach von der Stadt Riehen und dem Kanton Basel sowie verschiedenen Stiftungen unterstützt wurde.

Stéphane Spira
Stéphane Spira begann seine musikalische Laufbahn als Geiger und erhielt bereits mit 13 Jahren eine Goldmedaille der Union des Conservatoires de Région. Später entdeckte er seine wahre Berufung: das Klavier. Wesentliche Impulse erhielt er im Studium mit Brigitte Engerer und Claude Lebissonnais.

Als Pianist begeistert er mit seinem ausdrucksstarken, nuancierten Spiel. Sein Soloalbum Voyage Musical en Terroirs de France wurde mit dem Label « Le choix de France Musique » ausgezeichnet. Neben seiner solistischen Tätigkeit widmet er sich intensiv der Kammermusik und gründet ein Duo mit der Geigerin Isabelle Flory, mit der er mehrere CDs aufgenommen hat.

Spira liebt genreübergreifende Projekte. Er komponierte musikalische Arrangements des Programms Tangolied für den Bariton José Luis Barreto und kreierte mit Svetlana Lifar und Xavier Béja das Stück Pouchkine-Traversée. Mit Angélique Greuter und anderen Künstlern entwickelte er die Bühnenprogramme Sonate, Amour et… Mensonge und Unser Leben mit Schubert.

Seine pädagogische Tätigkeit umfasst langjährige Lehrtätigkeiten an Konservatorien sowie eine Spezialisierung auf Liedinterpretation. Zudem ist er als professioneller Künstlercoach tätig. 2014 gründete er das Festival Les Spiriades, das in La Frette-sur-Seine eine Plattform für musikalische Begegnungen schafft.

Marie Miresse del Monde

Konzertaufnahme szenisch zwei Sängerinnen, eine Flötistin im Profil

Mon cuer mon ame, Ensemble für mittelalterliche Musik
Angélique Greuter, Gesang – Elisabeth Neyses, Gesang – Marie Verstraete, Fidel und Blockflöten

Marie miresse del monde ist ein halb-szenisches Programm von grosser stilistischer Vielfalt, dessen roter Faden die heilende Kraft Marias ist. Die beiden einzigen französischen Sammlungen mit Legenden und Liedern zur Verehrung der Jungfrau Maria bilden die Grundlage dieses Programms: die berühmten Miracles de Notre Dame von Gautier de Coincy aus dem 13. Jahrhundert und ein anonymes Manuskript aus dem 14. Jahrhundert, das Rosarius genannt wird (F-Pn fr. 12483).

Im Mittelalter greift die Maria natürlicherweise in den Alltag ein, durch Pflanzen, die heilen, oder wenn ein Problem gelöst werden muss. Zahlreiche Erzählungen, Lieder und Motetten zeugen von ihrer Nähe.

Marie miresse del monde

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Gautiers Wunder De deuz fammes que Nostre Dame converti dient in moderner Übersetzung als narrativer Rahmen. Eine Frau, die von ihrem Mann betrogen wurde, bittet Maria, sie zu rächen. Doch die Jungfrau Maria erscheint ihr, um ihr zu bedeuten, dass sie nichts gegen die Geliebte unternehmen wird, da diese ihr beständig dient…
Als poetische Einleitung werden in Altfranzösisch deklamierte Texte aus dem Rosarius verwendet. In dieser Art kleinen Enzyklopädie werden die Tugenden von Pflanzen mit denen Marias verglichen, denn sie ist die wahre Miresse (Ärztin) von Körper und Seele. Durch das Einbeziehen anderer Musikhandschriften, darunter Bamberg, La Clayette, Wolfenbüttelund Florenz, wechseln die frommen Lieder ab mit mehrstimmigen Motetten und Conducti, die die Erzählung weiterführen.

 

„Der zweite Teil widmete sich der Marienlegende »Die zwei Rivalinnen« von dem Abt, Poeten und Musiker Gautier de Coincy, in die wiederum zahlreiche Musikstücke eingebettet waren. Die Geschichte um zwei Frauen, von denen die eine die Betrogene und die andere die Mätresse eines Mannes ist, wurde von Neyses und Greuter sehr überzeugend geschauspielert.
Krönender Konzertabschluss war das dreistimmige Marienantiphon »Salve Regina«, zu dem atemlose Stille im Saal herrschte.“
Doris Huhn, 19.02.2015, Alzenauer Tagblatt

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Mon cuer mon ame

Das Ensemble Mon cuer mon ame trat im Juni 2013 in Belgien während des Day of Early Music in Alden Biesen mit einem Programm auf, das Henrik van Veldeke, einem flämischen Minnesänger des 12. Jahrhunderts, gewidmet war. Aufbauend auf diese erste Zusammenarbeit wollten die drei Musikerinnen ihr Repertoire erweitern und eine neue Produktion anbieten, die Musik und Poesie verbindet.

Als Studentin der Musikwissenschaft erarbeitete Angélique Greuter dieses Programm im Jahr 2014 unter der Leitung von Isabelle Ragnard, Maître de conférences an der Paris – Sorbonne Universités. Dieses Konzert, das von einer Forschungsarbeit begleitet wird, gehört zur Validierung ihres Master Professionnel d’Interprétation de la Musique Médiévale. Es ist auf Französisch konzipiert, kann aber bei Bedarf an ein deutschpsrachiges Publikum angepasst werden.

Programminhalt

  1. Teil – Die Eigenschaften der Pflanzen

Texte aus der anonymen Handschrift Rosarius aus dem 14. Jahrhundert

  • Ave in styrpe spinosa/Ave gloriosa/Manere, Motette
  • Text über die Rose
  • De la virge nete et pure, Marienlied (Rosarius)
  • Tu decus es decoris/O Maria beata genitrix/Nostrum, Motette
  • Text über die Maulbeere
  • J’ay un cuer moult lent, Marienlied (Rosarius)
  • Text über die Petersilie
  • Ave beatissima/Ave Maria/Ave maris stella, Motette
  • Text über die Lilie
  • Candida virginitas/Flos filius eius, Motette
  • Text über die Lilie mit einem Vers über den Tod von Baudoin de Condé
  • Stirps Iesse/Virga cultus/Flos filius eius, Motette
  1. Teil – Die zwei Rivalinnen

Marienlegende aus den Miracles de Nostre Dame von Gautier de Coincy (13. Jhd.)
In den Text sind folgende Musikstücke eingebettet:

  • Dieus ! je fui ja pres de joïr/Dieus ! je n’i puis la nuit dormir/Et vide
  • De chanter me semont Amour, Lied von Vielart de Corbie
  • Quant ces flouretes florir voi, Marienlied von Gautier de Coincy
  • (Contrafactum von vorhergehenden Lied von Vielart de Corbie)
  • Diex comment pourrai savoir, Marienlied (Rosarius)
  • Chanter et renvoisier sueil, Lied von Thibaut de Blazon
  • Por mon chief reconforter, Marienlied von Gautier de Coincy
  • (Contrafactum des Lieds von Thibaut de Blazon)
  • De pleurs plains et de soupirs, Marienlied (Rosarius)
  • Quant define la verdour/Quant repaire la douçour/Flos filius eius, Motette
  • Text über die Malve
  • Texte über  das Schöllkraut
  • Pia Mater, Conductus
  • Ex semine Motette
  • Entendez tuit ensemble, Marienlied von Gautier de Coincy
  • Virga, virgo regia/Flos filius eius, Motette
  • Salve Regina, Marienantiphon

↓ PDF Programmheft (französisch)